Äpfel feiern wie sie fallen


Bericht vom Erntefest in Utzberg

Im grünen Thüringen, zwischen Erfurt und Weimar, liegt das kleine Örtchen Utzberg. Von Utzberg aus führt eine kleine Obstallee am Napoleonstein vorbei bis nach Mönchenholzhausen. Wer diesen Weg regelmäßig nimmt, dem wird bestimmt aufgefallen sein, dass einstige Lücken an den Rändern der Straße durch Neupflanzungen geschlossen wurden.

Äpfel, Birnen und Vogelkirschen führen zwischen den Feldern vom Napoleonstein nach Utzberg

Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz pflanzte die rund 60 Apfel-, Birnen- und Kirschbäume im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme und verhalf der Allee somit zu einem neuen Antlitz. So wurde das durchschnittliche Baumalter der Allee deutlich gesenkt und die Obstbäume können nun auch für kommende Generationen ökologische, kulturhistorische und landschafts­ästhetische Funktionen erfüllen.

Doch nicht nur die Bäume benötigen Aufmerksamkeit. Es stellt sich außerdem die Frage:  was tun mit dem dort wachsenden Obst?

Beim Äpfelschneiden kann man auch schon mal einem Würmchen begegnen

Zeit für mundraub

Im Rahmen unserer Kooperation mit 50Hertz haben wir die Obstallee in Utzberg im letzten Sommer kartiert und von einer Nutzung der Obstbäume geträumt. Dieser Traum fiel in dem Ort auf fruchtbaren Boden und man beschloss, das alljährliche Dorffest in diesem Jahr mit dem ersten Utzberger Apfelfest zusammenzulegen. Gemeinsam mit der Bürgermeisterin, dem Dorfclub und vielen UtzbergerInnen haben wir ein fruchtiges Programm zusammengestellt.

Geplant war, mit einer gemeinschaftlichen Ernteaktion die Bäume der Allee von ihrer fruchtigen Last befreien. Mithilfe einer Handpresse (großen Dank an die Grüne Liga!) sollte diese dann direkt vor Ort zu frischem Saft verarbeitet weren. So weit, so gut der Plan. Nach einer Woche Sonnenschein hatte Petrus allerdings andere Pläne, denn es hieß: eine Runde Dauerregen für das Weimarer Land. Die groß angelegte Ernte fiel damit buchstäblich ins kühle Nass.

Vollbeschäftigung an der Saftpresse!

Sortenvielfalt

Aber was sind schon ein paar Tropfen gegen eine ganze Welle gelebter Gemeinschaft? Die UtzbergerInnen brachten neben einigen Allee-Äpfeln, die sie noch vor dem Wolkenbruch ernten konnten, kurzerhand Äpfel aus den eigenen Gärten mit. In Schubkarren, Kisten und  Körben wurden sie kiloweise zum Veranstaltungsort - eine alte Scheune im Dorfzentrum - gebracht. Augen und Gaumen konnten sich an mindestens zwölf verschiedenen alten Apfelsorten erfreuen. Die angehende Moster-Generation stand schon bereit. Doch zuvor hieß es: fleißig schnippeln und die Obstpresse stetig mit neuen Früchten füttern. Die großen und vor allem kleinen UtzbergerInnen bedienten dabei unermüdlich Rad und Hebel und sorgten für über 30 Liter handgemosteten Apfelsaft.

Nach dem Häckseln, kommt das Pressen, kommt der Saft.

Wer nicht abwarten konnte und die grünen, roten und gelben Früchte lieber in festem Zustand genießen wollte, hatte dazu reichlich Gelegenheit. Unterstützung fand dieses Verlangen in einer Apfel-Probierstation, an der die UtzbergerInnen alte Sorten mit klangvollen Namen wie Nathusius oder Gravensteiner verköstigten. Eines sei verraten: alle schmeckten gleichermaßen vorzüglich :) Für die ganz Kleinen gab es ein Quiz zum Thema Apfel - was sonst? - und Basteleien, mit den Großen die ein oder andere Fachsimpelei zum Thema Obstbaumschnitt. An deren Ende stand die Erkenntnis, dass die Obstallee am Dorfrand etwas Schönes und vor allem Erhaltenswertes ist.

Erhalten bleiben musste auch der tüchtige Einsatz der UtzbergerInnen und so dienten Grillgut, Kuchen und Kartoffelpuffer (natürlich mit selbstgemachten Apfelmus) als Stärkung. An einem Tag, an dem sich eigentlich alles um den Apfel drehte, konnten die ThüringerInnen dann doch nicht auf die geliebte Bratwurst verzichten.

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