Wirk it, Görlitz! mundraub beim Synagieren-Wirkcamp


Was für eine seltsam schöne Stadt, dieses Görlitz! Als wir, das mundraub-Team, in der sächsischen Kleinstadt eintrafen, genauer gesagt in einem zur Orga-Kneipe umfunktionierten, ehemaligen Bahnhofsrestaurant - dem 'Gleis 1' - waren wir erst einmal baff. Das änderte sich auch nach einem Rundgang durch die, mit großartigen, zumeist verfallenen oder zumindest leerstehenden Altbauten gesäumten Straßen nicht. Kein Wunder, dass "Görliwood" ständig von US-amerikanischen Filmemachern heimgesucht wird. Aber auch für uns MundräuberInnen gab es einiges zu entdecken...

MundräuberInnen auf der Ausgleichsfläche (© mundraub)

Das WIR in Wirken

Auch wenn wir natürlich gern noch viel mehr von der Stadt selbst gesehen hätten, waren wir doch in höchst professioneller, räuberischer Mission in Görlitz: mundraub war eine von neun teilnehmenden Initiativen (auf die verteilten sich insgesamt 50 TeilnehmerInnen), die sich im Rahmen eines 4-tägigen Workshops im deutsch-polnischen Wirkcamp vorstellten. Organisiert wurde das Camp zum mittlerweile 12. Mal von Synagieren e.V., der Initiative für gemeinsames Handeln. mundraub nahm nach 2011 nun bereits zum zweiten und hoffentlich nicht zum letzten Mal teil. Ziel des Workshops sollte es sein, den TeilnehmerInnen etwas über die mundraub-Philosophie und mundraub-Projekte, über Obst, Obstsortenvielfalt, Obstbäume und natürlich deren Erhalt zu vermitteln. Inklusive einer Ernteaktion und eigener Verarbeitung des fruchtigen Ertrags zu leckerem Saft! Ein wichtiger Punkt, der in allen AGs auf der Tagesordnung stand: Eigeninitiative. Wie können wir unseren Lebens- und Arbeitsraum gemeinsam gestalten?

Görlitz und die polnische Schwesterstadt Zgorzelec präsentierten sich als wunderbarer Gastgeber und perfekter Ort, an dem Kreativität und Schaffenslust ausgelebt werden können und sollten. Eine Stadt mit über 50% Leerstand lädt quasi dazu ein, aus dem Vollen zu schöpfen! Apropos leer: viele Workshop-TeilnehmerInnen wurden für die Zeit des Camps in einer leerstehenden Wohnung einquartiert, die vom Eigentümer extra zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurde. Klassenfahrt-Feeling, ahoi!

Tag 1 - Volle Kreativität voraus

Die neun AGs verteilten sich im gesamten Stadtzentrum Görlitz'. Bei strahlendem Sonnenschein und nach einem ausgiebigen, veganen Frühstück erkundeten wir die verschiedenen Wirkstätten. Da gab es z.B. das fahrende Kino des Filmclub von der Rolle 94 e.V. die auf dem Gelände der Rabryka, einem Zentrum für Jugend- und Soziokultur gastierten. Dieses agiert auf dem fantastischen, es-gibt-soviel-zu-erleben-und-zu-sehen-Gelände einer ehemaligen Fabrik für Hefeproduktion und verwirklicht dort die verschiedensten Projekte rund um Musik, Urban Gardening und Handwerk. Oder der CYRCUS, ein deutsch-polnischer Kinder-und Jugendzirkus, der in leerststehenden, beinahe sakralen Räumen seine Zelte aufschlug. Kreativität en masse!

Am Haken (© mundraub)

Die mundraub-Basis war zwischen Shirts und Hosen im carlo:eco, einem Laden für nachhaltige Streetwear, wo wir den thereotischen Teil des Workshops abhielten. Aber wie es sich für echte MundräuberInnen gehört, zog es uns schnell in die Natur. Dort erkundeten wir inklusive unserer besonders aktionsfreudigen Teilnehmerinnen Ola, Sandy und Katharina die verschiedenen Erntespots, für die wir - ganz regelkonform - zuvor von der Stadt Görlitz die Genehmigung zum Ernten einholten. Nicht nur, dass sie uns die Erlaubnis für die Ernteaktion erteilte, Görlitz begrüßte den legalen mundraub sogar: “Wir haben die Streuobstwiesen nicht einfach so, sondern aus Überzeugung angelegt”, bestätigte ein Mitarbeiter des dortigen Grünflächenamts. Dank dieser Einstellung konnten die theoretischen Workshop-Kenntnisse auch am "lebenden Beispiel" erklärt und bestaunt werden.

Nach abendlichem Beisammensein in der Bahnhofszentrale ging es zurück in die Herberge. Der nächste Tag erforderte schließlich höchstes, körperliches Engagement.

Tag 2 - Die Ernte

Bewaffnet mit Erntehaken, Pflücker, Leiter, Säcken und unserer um eine weitere Teilnehmerin angewachsenen Gruppe (Hallo, Jacqueline!) machten wir uns nun endlich auf, Äpfel, Birnen und Pflaumen an drei Orten, darunter eine Ausgleichswiese der Stadt, zu ernten. Sogar Mirabellen und Sanddorn entgingen unseren geschulten Augen nicht und wurden als Fingerfood in die Camp-Küche geschafft.

Für das Berliner mundraub-Team hieß es an diesem Abend Abschied nehmen, da in der Hauptstadt schon die nächsten Aufgaben warteten. Wir wussten jedoch, dass der anstehende Mosterei-Einsatz für unsere TeilnehmerInnen - ausgerüstet mit neuem Wissen und dem sowieso vorhandenen nötigen Aktionsgeist - kein Problem sein würden. Und wir behielten Recht!

Tag 3 - Let's press!

Pressen! (© mundraub)

Der große Tag: ca. 250kg Äpfel und Birnen wurden in die Mosterei von Jörg Anders in Daubitz gebracht. Die Workshop-Teilnehmerinnen unterstützten den Moster bei seiner Arbeit und produzierten so gemeinsam 32 5-Liter-Packungen, also stattliche 160 Liter Apfel- und Birnen-Saft. Aus sicherer Quelle wurde uns später berichtet, dass die Räuberinnen beinahe mit offenen Mündern unter der Maschine standen. Ein Foto-Beweis steht allerdings noch aus.

Tag 4 - Das Ergebnis

Fertig (© mundraub)

Am letzten Tag fand die Ergebnispräsentation aller AGs statt. Unsere versierten Teilnehmerinnen konnten dabei sowohl therotisch ais auch praktisch (in Form des selbst hergestellten Saftes) ihre neu gewonnenen  Kenntnisse, Perspektiven und Impulse präsentieren.

Das Wirkcamp in Görlitz/Zgorzelec hat für einen fruchtbaren Austausch gesorgt, der uns nicht nur neue Mitglieder in der mundraub-Community bescherte, sondern - und das freut uns ganz besonders - den Tatendrang für weitere Aktionen ankurbelte!

Ein großer Dank gilt dem Team von Synagieren e.V., allen Görlitzern und Nicht-Görlitzern vor Ort und den formidablen Menschen der AG KüfA, die alle TeilnehmerInnen täglich mit drei leckeren, veganen Mahlzeiten versorgte und am Erntetag für die MundräuberInnen sogar zum Essen auf Rädern wurde. Dankedankedanke! Und nicht zu vergessen: wir möchten uns natürlich ganz besonders bei unseren grandiosen Teilnehmerinnen bedanken, die maßgeblich zu einer tollen Zeit in Görlitz beitrugen.

Gruppenbild mit Teilernte. Und Hund (© mundraub)

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Echt klasse euer Workshop, wobei ich auf nen Weiteren hoffe, an welchem auch die arbeitende Bevölkerung teilnehmen kann, z.B. von Freitag Abend bis Sonntag Abend, denn leider war es mir nicht möglich frei zu bekommen. Grüße aus Görlitz.