Keine kurzlebigen Konsumgüter!


Wäre es nicht schön, wenn mein elektrischer Mixer so lange hielte, dass ich ihn meinem Enkel vermachen könnte? Oder dass mein Drucker auch noch für die Folgegeneration druckte?

Begriffe wie „Verbraucher“ und „Wegwerfgesellschaft“ zeichnen ein verfälschtes Bild von der Realität, denn das Wegwerfen und Verbrauchen bedient den Willen der Industrie, nicht den der Menschen. Nach einer Umfrage von „Murks - Nein Danke“-Autor Stefan Schridde sind nur ein Bruchteil der Gesellschaft tatsächliche „Verbraucher“ in dem Sinne, als dass sie viele Produkte in einem relativ kurzen Zeitraum verbrauchen. Die meisten Menschen nutzen Haushaltsgegenstände, Klamotten etc. über längere Zeiträume, möchten sie, falls sie keine Verwendung mehr für sie haben, weiterverkaufen oder verschenken und im Schadensfall reparieren.

Der Schrott, den wir produzieren, wird meist weit entfernt entsorgt

Welcher Käufertyp bist du?

Schridde unterscheidet die Nutzergruppen der kaufenden Gesellschaft in Wegwerfer, Verbraucher, Gebraucher, Prosumenten, Reparierer und Bewahrer, wobei die mittleren Gruppen, die Gebraucher und Prosumenten, am häufigsten sind. Gebraucher sind Menschen, die nutzenorientiert und bedachtsam kaufen, ihre Gebrauchsgegenstände warten und pflegen und sie nur dann entsorgen, wenn sie nicht mehr funktionieren. Prosumenten hingegen kaufen zwar ebenfalls bedachtsam, allerdings kommt bei ihnen neben der Wartung und Pflege ihrer Gegenstände noch die Komponente des Reparierens hinzu: Prosumenten sind Upcycler, die aus Altem Neues entstehen lassen und es anschließend verkaufen.
Auf der nächsten Stufe stehen die Reparierer, welche nutzenorientiert auch Gebrauchtes kaufen, es warten, pflegen, gegebenenfalls reparieren und auch bei längerfristiger Nichtnutzung für später aufbewahren. Die Wegwerfer und die Bewahrer sind die beiden Randgruppen, die sich durch übertriebenes Wegwerfen bei voller Funktionsfähigkeit, beziehungsweise das Aufheben auch bei Funktionsunfähigkeit des Gebrauchsgegenstands auszeichnen.

Jede Menge Elektroschrott...nachhaltig geht anders!

Geplante Obsoleszenz - was ist das?

Der Begriff „geplante Obsoleszenz“ - geplante Schwachstelle - bezeichnet den geplanten Verschleiß von Produkten. Dies kann zum Beispiel ein wenig robustes Plastikteil in einem Handmixer sein, welches sich mit der Zeit abnutzt. Dieses Beispiel macht auch deutlich, dass es sich bei geplanter Obsoleszenz nicht etwa um eine Sollbruchstelle, sondern um eine geplante Schwachstelle handelt. Denn während eine Sollbruchstelle dazu da ist, bei Defekt oder Überlastung gezielt zu versagen, um so einen möglichen Schaden des Gesamtsystems abzumildern, verringert die geplante Schwachstelle die Lebensdauer des Produkts. Im Falle des Mixers, ließe sich das Plastikteil mühelos durch ein Teil aus geeigneterem, robustem Material ersetzen und dies wahrscheinlich ohne nennenswerte Mehrkosten.

Auf ihn mit Gemüll! Oder einfach weniger wegwerfen

Geplante Schwachstellen ohne Ende

Das Problem ist, dass die Hersteller bei der Konstruktion eines Geräts nicht auf leichte Reparierbarkeit achten. So werden z. B. Akkus häufig eingeschweißt, was zur Folge hat, dass das ganze Gerät funktionsunfähig wird, nur weil ein einziges Teil defekt ist. Wäre das Akku dagegen anders montiert, ließe es sich kinderleicht austauschen und dasselbe Gerät könnte erheblich länger genutzt werden. Andere Beispiele sind Elektrolytkondensatoren in Laptops. Da durch diese Strom fließt, müssen sie, um nicht heiß zu laufen, an gut belüfteten Stellen montiert sein. Passiert dies nicht, verringert sich ihre Lebensdauer und damit die Lebensdauer des betreffenden Laptops. Dennoch sind sie häufig an ungeeigneten Stellen montiert. Hinzu kommt, dass die Kosten, die für die Montage von hochwertigeren Elektrolytkondensatoren, die besser mit höheren Temperaturen umgehen können, laut einer Berechnung von Schridde „im Subcentbereich“ liegen.

Entsorgen? Reparieren und Wiederverwerten!

Mehr Verbraucherschutz!

In Deutschland, wie in den meisten europäischen Ländern, gilt eine gesetzliche Gewährleistungsfrist von zwei Jahren ab Kauf der Ware. Das bedeutet, dass der Kunde die Kosten für Reparatur und Ersatzteile nach Ablauf dieser Frist selbst tragen muss.
Der Verein „Murks- Nein Danke“ fordert diese Frist nach oben zu korrigieren und nicht schon beim Kauf, sondern erst ab Entdeckung des Mangels einsetzen zu lassen, um damit Handel und Hersteller stärker in die Verantwortung zu nehmen und so eine bessere Produktqualität zu gewährleisten. Was die gesetzliche Gewährleistungsfrist betrifft, haben auf europäischer Ebene die Länder Schottland, Irland und das Vereinigte Königreich die Nase vorne: In Schottland beträgt die gesetzliche Gewährleistungsfrist ab Lieferung der Ware fünf Jahre, in den letzteren beiden sechs. In Irland und Großbritannien setzt der Gesetzgeber die Mindestlebensdauer von Produkten also dreimal höher an, als es in Deutschland der Fall ist.

Leihläden und Repaircafés: Gute Ideen für den Klimaschutz

Was kann ich als Käufer tun?

Schridde macht zu großen Teilen den Handel und die Hersteller für das Ausmaß der Ressourcenverschwendung verantwortlich. Dennoch kann auch der Käufer etwas tun. So empfiehlt Schridde zum Beispiel mit einem „aufgeklärten Blick“ in die Geschäfte zu gehen. Das bedeutet, beim Kauf neuer Produkte auf die Haltbarkeit, die Reparierbarkeit und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen zu achten. Zudem sollte man sich noch vor dem Gang ins Geschäft oder zur Kasse die Frage „Brauch ich das wirklich?“ stellen, denn häufig gibt es Alternativen: So kann man z.B. einen Neukauf vermeiden, indem man seine defekte Lampe ins nächste Repaircafé bringt oder sich die dringend benötigte Bohrmaschine beim Nachbarn oder in einem Leihläden (Leila) ausleiht.
Du willst mehr wissen? Die Arte-Dokumentation „Kaufen für die Müllhalde“ zeigt Ausmaß und Folgen der Ressourcenverschwendung und stellt Alternativen und Lösungsansätze vor.

Quellen:

Stefan Schridde: (2014) Murks? Nein danke! Was wir tun können, damit die Dinge besser werden. oekom verlag, München.

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Gute Zusammenfassung! Viele Grüße