Giersch - ein schmackhaftes Wildgemüse


Wenn es ein Beitrag in der mundraub-Facebookgruppe innerhalb von zwei Stunden auf knapp 40 Kommentarte schafft, dann muss das etwas von gesteigertem Interesse sein. Haben wir uns gedacht! "Ist das Giersch?" war die ursprüngliche Frage eines Mitglieds und im Moment, in dem ich dies hier schreibe, werden kulinarische Ausrottungsphantasien ausgetauscht. Wir fassen für euch, die ihr gerade nicht live dabei seid, zusammen.

GierschAuf jeden Fall muss der Blattstiel eine dreieckige Form haben. Giersch muss weg (!!) wobei die Erde vorher gut aufgelockert werden muss, damit die Wurzeln, welche sehr lang sind, mit rausgerissen werden können. "Aufessen" ruft jemand ",denn das ist effektiver als rausreißen". Und nun werden Ausrottungsszenarien in Form von Rezepten durchgespielt. Außer Salat könne man Giersch  trocknen und als Gewürz wie Petersilie verwenden. Er soll auch gut in Tomatensauce oder als Spinatersatz in der Lasagne kommen. Denn man sagt, wenn man Giersch ist, geht er weg. Jemand meint, dass "ist" in diesem Falle mit Doppel-S geschrieben würde. Aber was, wenn ich Giersch BIN? Die ganz jungen Blätter sollen am besten roh schmecken. Ein Mitglied isst ihn gern mit Möhren und Bärlauch zusammen. Die älteren Blätter sind kräftiger und eignen sich wohl eher als Gemüse oder Gewürz. Giersch als Pesto sei wohl auch sehr lecker und wenn man ihn mit etwas Knoblauch und Butter durch die Pfanne zieht schmeckts original wie Blattspinat - vielleicht etwas intensiver.

Auf jeden Fall kommt nun jemand zurück auf das eigentliche Problem, nämlich wie man den den Giersch ernsthaft loswird. Und eins ist ganz klar: den Giersch wird man nicht so einfach los. Vielleicht, wenn man flächig ca. 50 cm tief umgräbt, das Ganze durch ein Sieb wirft und das Beet neu ansetzt. Dabei sollte man sich nicht ärgern, sondern ihn mit Zitrone in den Mixer tun und Smoothie draus machen. Denn Giersch sei das perfekte Wildgrün im Smoothie. Jetzt kommt eher meine Art, Gerichte zuzubereiten: Giersch als Spinat mit Zwiebeln, püriert oder als Blattgemüse zu gebratenen Kartoffeln - ein Traum. Für die Kartoffeln noch ein Kräuterquark gefällig? Giersch, auch Geißfuß genannt, ist essbar und kommt neben Löwenzahn, Schafgarbe, Sauerampfer, Spitzwegerich super im Kräuterquark.

Ernten, genüsslich verzehren, und wenn´s wirklich zu üppig wird, regelmäßig abschneiden, damit das Wurzelgeflecht auszehrt. Oder mit nasser Zeitung und Rindenmulch abdecken und ausrotten. Und wie einst Gertrude Stein bedeutete "Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose" ist heute für eine Diskutantin blütenklar: "Giersch, Giersch und nochmal Giersch!"

Hier findest du noch einige Diskussionen zu Rezepten

Wir danken euch für die vielen Anregungen und freuen uns über die ergiebigen Diskussionen um Giersch und seine buckligen Verwandten. Euer mundraub-Team.

Ich stelle nach wie vor die Frage, ob die Mundraub-Map nicht mittelfristig unübersichtlich wird, falls man jedes Kräutlein (Giersch, Löwenzahn, Vogelmiere, Schaumkraut, Efeu, ...) eintragen darf, die Kommentar-Möglichkeit zu mickrigen Standorten erscheint mir als Korrektiv zu schwach. Wenn ich es drauf anlegen würde, für jedes irgendwie verwertbare Pflänzchen in meiner Alltagsumgebung einen Marker zu setzten, wäre ich in einer Woche zwar unter den "Mundraub Top 10", ein praktischer Nutzen für andere ergäbe sich jedoch kaum.
Beste Grüße

P. S. Nix gegen Giersch. Aber vielleicht sollte Mundraub für die Weitergabe von Standorten eine Mindest-Quantität wünschen? Oder in dicht besiedelten Gebieten die Kategorie "nur zur Anschauung" einführen?

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...was ich noch vergessen habe: bei Insektenstichen einfach ein Blatt Giersch zerkauen und auf den Stich auflegen, dadurch schwillt er nicht an und juckt nicht!

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Bevor ihr den Giersch ausrotten wollt, solltet ihr eines wissen: Giersch ist nicht einfach nur ein grünes Kraut, er ist vollgepackt mit Vitaminen und Mineralstoffen! Er hat vier mal so viel Vitamin C wie eine Zitrone!! Er enthält noch weitere Vitamine und viele Mineralien (Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium, Mangan, Bor, ...) die für uns Lebensnotwendig sind und durch unsere heutige Ernährung zu wenig aufgenommen werden! Außerdem ist er auch ein Heilkraut und hilft bei Gicht, leicht bei Blasenentzündung und Durchfall. Also bitte ernten statt jähten ;) schmeckt gut im Salat, als Spinat, im Smoothie... Viel Spaß damit ;D

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Die Vergeblichkeit und die Absurdität des menschlichen Tuns, ein sehr schönes Thema, welches du hier in den Raum wirfst, dajule. „Das Gefühl der Absurdität“, schreibt Albert Camus in „Der Mythos von Sisyphos“, „kann einen beliebigen Menschen an einer beliebigen Straßenecke anspringen. Er ist in seiner trostlosen Nacktheit, in seinem glanzlosen Licht nicht zu fassen.“ Das, was wir hier tun sind alles Versuche, dieser Absurdität zu entkommen. Aber ja: Giersch herauszurupfen ist genauso absurd, wie einen Zen-Garten zu harken. Nach dem nächsten Regen muss man von vorn beginnen. Wie Sisyphos seinen Stein immer aufs Neue den Berg hinan rollt. Also was tun? Am besten die Mechanik des Lebens akzeptieren: Vergeblichkeit, Vergänglichkeit, Neubeginn. Die Momentaufnahme einer von Giersch bereinigten Gartenecke macht Freude, wenn wir akzeptiert haben, dass er bald wieder kommen wird. Wenn wir ihn dann noch als Essbarkeit betrachten ist die Freude noch viel größer, denn dann haben wir ja wieder neuen Salat.

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Giersch ist wirklich sehr lecker. Er schmeckt nach einer Mischung aus Sellerie und Möhre.

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Aus dem Wikipedia Eintrag:
Susanne Wiborg schreibt in einem Artikel („Zeit“ n. 24. 2005): „im Kampf gegen den Giersch zeigt sich die Vergeblichkeit des menschlichen Tuns“ ;)

Aber nach allem was man so liest "enthält viel Kalium, Vitamin C, Karotin und Eisen", "sowohl als Gemüse wie auch als Heilpflanze eigens angebaut" usw. usf. werde ich den Giersch mal ausprobieren. Danke für den Tipp!