Sammeln statt Vergammeln


Alleenschutz durch Apfelernte? Wie geht das? Lest hier zwei Berichte vom 2. VCD-Alleenerntecamp vom vergangenen Wochenende. Dabei erfahrt ihr auch, was man aus den köstlichen Äpfelchen ausser Apfelmus noch so zaubern kann.

2. VCD-Alleenerntecamp in Senzke - von Krister Volkmann

Wettermäßig hätte es besser nicht sein können: Die Sonne schien und es war warm, aber nicht zu warm. Zum 2. VCD-Alleenerntecamp waren wir mit neun Personen gekommen (plus ein Kameramann aus Mecklenburg-Vorpommern). Die Allee, die wir ernten wollten - das ist ein bisschen übertrieben, denn wir wollten nur einen kleineren Teil der Äpfel dieser Allee ernten - liegt zwischen zwei Dörfern im Havelland. Glücklicherweise war für den gleichen Tag etwas später ein gemeinsames Fest von drei Dörfern geplant, für das die Straße auf halber Strecke komplett gesperrt war, was für uns das Ernten sehr viel angenehmer machte. Nur der Zubringerverkehr für die Vorbereitungen des Festes war an diesem Tag auf der Straße unterwegs.

Für die eigentliche Aktion hatten wir uns vier Stunden Zeit genommen: von 10 bis 14 Uhr an einem Samstag. Mitgebracht hatten wir Warnwesten, Absperrband, Rüttelstangen, Planen, Säcke und Körbe. Nach ersten Versuchen ging es dann recht bald schon recht routiniert zu. In ca. zwei Stunden hatten wir ungefähr 300 kg Äpfel geerntet (7 Säcke und mehrere Körbe und Kisten). Danach setzten wir uns mit mitgebrachtem Brot und Käse auf eine Decke und machten gemeinsam Mittagpause.

Fröhliche Ernte an der Obstbaumallee in Senzke (© VCD Berlin-Brandenburg)

Den Großteil der Ernte haben wir zu einer 20 km entfernten Mosterei gebracht. Das hat mehr Zeit in Anspruch genommen als wir eigentlich dachten: zwei Stunden für Hin- und Rückfahrt. Wegen des großen Andrangs wurden die Äpfel erst zwei oder drei Tage später verarbeitet. Zwei Säcke gingen an das Dorffest, wo für die Kinder mit einer mechanischen Handpresse Saft hergestellt werden sollte. Die Saftpresse stammte aus Biesenthal, wo wir im vergangenen Jahr das 1. VCD-Alleenerntecamp zusammen mit mundraub durchgeführt hatten. Nachdem alles erledigt war, haben wir uns dann noch auf dem Dorffest vergnügt: Es gab Kaffee und Kuchen, Bratwurst und Apfelsuppe, Kegeln und Quizspiel.

Schwedeneisbecher - Mundräuber Geheimtipp

Der letzte Septembersamstag Anno 2016 lieferte in Berlin-Brandenburg wunderschönes Herbstwetter, und der Landesverband Brandenburg des alternativen (früher mochte ich dieses Wort uneingeschränkt, seit etwa einem Jahr nicht mehr) Verkehrsclubs Deutschland hatte im havelländischen Dörfchen Senzke seine zweite Alleenbaum-Apfelernte-Aktion ausgerufen. Obwohl "nur" neun Teilnehmer (plus ein Filmemacher plus der Dorfbürgermeister) zusammenkamen, war es ein Riesenspaß. Für mich bestand das Erlebnis vor allem aus Landschaftsgenuss und Gemeinschaftspicknick, die Qualität der Bio-Äpfel war (noch) nicht ideal zum Rohverzehr. So kam es, dass in der Folgewoche in meinem Haushalt eine Menge Bio-Apfelmus anfiel. Alles einfrieren?

Ich erinnerte mich an ein DDR-Küchenrezept: Den Schwedeneisbecher. Simpel gesagt eine Kombination aus Apfelmus und Vanilleeis. Ergänzen kann man beispielsweise mit dickflüssigem Likör, Sahne, Schokoraspeln, Walnüssen, Rosinen, Melonenstückchen, ... oder (für experimentierfreudige Nicht-Vegetarier) knusprigen Speckgrieben. Selbst für Speiseeis-Muffel wie mich akzeptabel.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dass durch die Existenz des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) keine plausible Ausrede für nachhaltig denkende Menschen existiert, dem ADAC den Rücken zu kehren. Der VCD bietet ähnliche Serviceleistungen für Autofahrer an, sieht aber die Welt nicht nur durch die Windschutzscheibe und zählt auch viele Nicht-Autofahrer zu seinen Mitgliedern, er engagiert sich beispielsweise für den Fahrrad- und Schienenverkehr. Seit seiner Gründung setzt sich insbesondere der Landesverband Brandenburg für den Alleenschutz ein, da der Nordosten Deutschlands noch viele alte Alleen zu bieten hat, während sie im Westen durch die ADAC-Kampagne "Freie Fahrt für freie Bürger" weitgehend gefällt wurden.

Guten Appetit wünscht
Euer Mittelosteuropa-Entdecker

So sehen glückliche Apfelretter*innen aus (© VCD Berlin-Brandenburg)

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Gerne geschehen :-) .... wenn ich in Brandenburg leben würde, hätte ich mitgeholfen zu sammeln

Danke, Sonja. Schade, dass du es so weit in das "Alleenland Brandenburg" hast.

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Eine ganz klasse Aktion. In meiner Heimatstadt am Niederrhein haben wir auch auf ländlichem Gebiet eine Landstrasse, beide umsäumt mit Apfel- und Birnenbäumen. Niemand pflückt sie, niemand sammelt die tonnenweise auf den Strassen und Feldweg liegenden Äpfel und Birnen auf. In manchen Jahren schon. Aber dieses Jahr nicht. Ich war bisher die Einzige, die zumindest 2 grosse Plastiktüten aufgesammelt hat, verwertet, und Marmelade und Mus draus macht. Ich habe schon einige Leute in meinem Ort drauf aufmerksam gemacht, das man jede Menge Obst an der Strasse sammeln kann. Doch kaum einer interessiert sich dafür, was sehr schade ist