Die Mispel. Eine alte und seltene Frucht für Liebhaber

Die Mispel (Mespilus germanica) ist eine alte, oft vollkommen in Vergessenheit geratene Obstart. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Mistel, unter der man sich zu Neujahr küsst. Aus Südosteuropa, dem Kaukasus und Persien stammend kam die Mispel mit den Römern nach Mitteleuropa.

Mispel am Baum

Der eher strauchartig wachsende Laubbaum wird bis zu sechs Metern hoch. Bei Wildformen sind die Früchte zwischen zwei und vier, bei Kulturformen bis zu sieben Zentimetern breit. Beim Anblick der Früchte kommt den meisten sicherlich nicht in den Sinn, dass diese auch essbar sind. Sie sehen wunderlich aus und sind auch recht hart. Geerntet werden die festen Mispeln im November, es lohnt sich also, jetzt schon mal ein paar Mispelstandorte zu suchen. Nach zwei bis drei Wochen Lagerung sind die Früchte weich und somit essbar.

Ziemlich schmackhaft ist auch das Quitten-Mispel-Fruchtleder, aber man kann wohl auch eine interessante Marmelade daraus herstellen. Denn in einem Fundstück aus dem Jahresheft 2006 des Pomologen-Vereins schildert Günter Schwarz seine Erfahrungen mit der Zubereitung einer Mispel-Marmelade: Die rotbraune Marmelade war zwar gut streichfähig, der etwas altertümlich wirkende Geschmack dagegen nicht so frisch wie bei Quitten. Dieser ist eher gewöhnungsbedürftig und löst sicherlich nicht jedermanns Begeisterung aus.

Unsere Geschmäcker haben sich eben an moderne Früchte angepasst - auch Marmelade aus Vogelbeeren ist eigen- oder altertümlich, aber durchaus aromatisch und lecker.

Altertümlich wirkender Geschmack – das spielt möglicherweise darauf an, dass die Mispel im Mittelalter in Süd- und Mitteleuropa weit verbreitet war. Heute findet die Mispel wegen ihrer großen weißen Blüten auch als Ziergehölz Verwendung. Verwildert kommt sie noch vor, hat als Obstbaum hierzulande jedoch an Bedeutung verloren.

Gelegentlich kannst du Mispeln im Obst- und Gemüsehandel erstehen. Oder du schaust dich einfach mal in deiner Umgebung und auf mundraub.org um. Eine eigene Mispel-Kategorie gibt es nicht, dafür werden der mundraub-Karte aktuell noch zu wenige dieser Kernobstgewächse hinzugefügt. Das kann sich ändern!

Gibt es tatsächlich wenige Mispeln oder fallen diese unscheinbaren, vielen unbekannten Früchte einfach nicht auf?

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Ich würde sagen, es gibt sie ziemlich selten in Berlin. Mir sind aber im Sommer einige Sträucher rund um die Sacrower Heilandskirche aufgefallen.

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Witzig, ich habe mit meinem italienischen Kollegen gerade erst gestern über Mispeln gesprochen, weil er mir welche aus Sizilien mitbringen sollte (möchte bitte). Aber er meint, die gibt es hier auch manchmal im Supermarkt (REWE und Netto, meint er). Zum Glück hat ein netter Mit-Leipziger erst vor 2 Monaten zwei Bäume in die Karte eingetragen, so dass ich heute 5 dort finden konnte. Es gibt sicher noch mehr davon in Leipzig und anderswo, aber man muss halt aufmerksam sein. Und ohne Laub und Früchte sind sie natürlich noch schlechter zu identifizieren.
Die Früchte erinnern an Heckenrosenfrüchte, ist ja auch die gleiche Familie. "Schön" sind auch die alten volkstümlichen und teilweise noch dialektalen Namen wie Hundsärschle und mittelenglisch (?) openaerse. :D

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DANKE für die Erläuterungen!. Meine vom Wandern mitgebrachte "unbekannte" Frucht hat nun aber leider zu lange zuhause gelegen, um sie noch testen zu wollen. Dass sie mürbe = reif geworden ist, habe ich leider nicht zusammengebracht. Nächstes Jahr!
Den Standort kann ich hier nicht einstellen, weil das der Winzer bestimmt nicht gut fände. Inzwischen habe ich ihn auch getroffen. Er macht Marmelade draus.

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Bring mal eine mit ins Büro!