Müsli vom Bürgersteig oder: Baumhaseln in der Stadt


In diesem Jahr habe ich Straßen, die ich schon seit meiner Kindheit kenne, gänzlich neu wahr genommen. Durch einen Beitrag im Jahresheft des Pomologen-Vereins bin ich auf die Türkische Baumhasel Corylus colurna aufmerksam geworden. Laut Autor ist diese seltene Laubholzart in unseren Breiten überwiegend in Parks und Alleen, also in Siedlungen, zu finden. In Österreich und Ungarn sollen Baumhaseln teils ausgedehnte Waldbestände bilden. Die die reifen Nüsse umhüllenden Büschel hatte ich im Vorbeigehen schon einmal wahrgenommen. Jetzt wollte ich es genauer wissen. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad bin ich auf der Suche nach Baumhaseln nun durch die Straßen gestreift. Es ist ohnehin gerade Erntezeit. Und tatsächlich, Baumhaseln kommen oft in Berlin vor. Sie säumen Straßen, mischen in Parkanlagen mit und stehen sogar mitten im Zentrum, in der Nähe des Hauptbahnhofes.
Ursprünglich aus Südosteuropa stammend, gelangten die ersten Baumhaseln Ende des 16. Jahrhunderts nach Westeuropa. An ihrer schuppigen Rinde und den des Haselstrauches (Corylus avellana) ähnelnden Blättern sind Türkische Baumhaseln leicht zu erkennen. Sie fruchten ab dem 15. Lebensjahr und können über 100 Jahre alt werden. Neben den schmackhaften Nüssen ist auch ihr edles Holz von Bedeutung für den Menschen, so dass Corylus colurna auch als Zweinutzungsgewächs bezeichnet wird. Sechs bis acht Nüsse werden in großen Fruchtbüscheln zusammengehalten. Reif sind die Nüsse Ende September bis Anfang Oktober. In Städten bleibt dann nicht viel Zeit zum Einsammeln der Früchte. Parallel zur Fruchtreife der Baumhasel sind nämlich auch die ersten Kolonnen im Einsatz, die Bürgersteige vom ersten Herbstlaub zu befreien. Mit dem frühzeitig entsorgten Laub finden auch viele Haselnüsse den Weg auf die Kompostplätze der Stadt. Der Kuchen ist damit gegessen. Dabei hätte es eigentlich ein Nusskuchen mit Haselnüssen von der nächsten Ecke sein können.

Warum wurden so viele Baumhaseln an Straßen gepflanzt?
Der Autor nennt dafür ihre positiven Eigenschaften wie Toleranz bei Hitzestress und Trockenperioden sowie Unempfindlichkeit gegenüber Straßenstaub und Autoabgasen.

  • Wie sieht es bei euch vor Ort aus?
  • Bereichert Corylus colurna auch in eurer Gemeinde Parks und Straßenzüge?
  • Wie schmecken die Früchte?
Haselnüsse von der Straße
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Bei uns in der Straße stehen diese Bäume. Musste erst einmal googeln um welche Nüsse es sich da handelt.  Habe sie mit meiner Tochter aufgesammelt, mühsam geknackt und dann in der Pfanne geröstet. Warm gegessen waren sie super lecker. Wir werden wohl morgen noch mal losziehen 

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Man sollte die Nüsse sofort nach der Ernte luftig lagern, damit sie nicht schimmeln.
Wenn die Nüsse noch in den Hülsen stecken, wenn sie am Boden liegen, sollte man sie schnell herauspulen und ebenfalls luftig trocknen.
Die Nüsse sind sofort nach der Ernte essbar, ich mag sie allerdings lieber, wenn sie schon einige Wochen gelagert wurden. Das ist ähnlich wie bei Walnüssen: sofort nach dem Aufsammeln sind sie essbar, aber noch etwas feucht. Erst nach einigen Wochen, zur Adventszeit, schmecken sie erst so richtig gut - meiner Meinung nach.

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Danke für den hilfreichen Beitrag!Soeben habe ich auch einen ganzen Baum-Hasel-Straßenzug in Berlin-Johannisthal eingetragen.Eine Frage beschäftigt mich zu dieser Nusssorte aber schon seit Langem: Wie ernte ich sie?Die grünen Fruchhüllen vom Boden auflesen, nur die unten liegenden Nüsse oder die vertrockneten Fruchhülsen ernten und dann auspulen?Die grünen Hüllen erst trocknen lassen bis die Nüsse leicht herausgehen? Warum?Falls ich erst die grünen Hülsen trocken lassen muss - müssen die herausgenomenen Nüsse anschließend nochmals getrocknet werden, oder sind die dann sofort verzehrgeeignet?Besten Dank schon im Voraus an die wissenden Leser.

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Ein Blick aus dem Fenster und was sehe ich vor dem Bürogebäude in Zürich-Oerlikon (Baumackerstr. 24), in dem ich arbeite? Drei grosse prächtige Baumhaseln (Corylus colurna). Sie tragen jetzt im Dezember noch ihre kugeligen, stachligen Fruchtstände, die offensichtlich lange hängenbleiben. Ob sie wohl noch geniessbar sind? Muss ich gleich prüfen.

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Ja, mit Baumhaseln kann ich was anfangen! Allerdings bin ich so oft umgezogen, dass ich nicht mehr weiß, wo ich sie überall wahrgenommen hatte. Zuerst in den 90ern in Oldenburg/Oldb. an einem Hauptverkehrsweg, dann in Hamburg und in München. Die Straßen-resistente Komponente des Anpflanzens ist bekannt.