Berliner Beeren


Im letzten November hatte sich eine engagierte Mundräuberin in den Kopf gesetzt, sich aus abgeschnittenen Zweigen von Obsträuchern Stecklinge zu ziehen, um sie im Frühling auszusetzen. Die Stecklinge wuchsen an und trieben Anfang März sogar aus, wie wir in diesem Artikel berichteten. 

Stecklinge am Zaun
© mundraub

Anfang April war es dann soweit. Entlang des Neuköllner Schifffahrtskanals, auf dem heutzutage kein echter Käptn mehr seinen Schubverband, sondern nur noch Spaßberliner ihre Schlauchboote entlang navigieren, pflanzte unsere Initiative "Essbarer Kiez Alt-Treptow" etwa 50 Stecklinge von Stachel-, Johannis-, Joster- und Himbeeren. Wenn die Hunde sie nicht ausbuddeln und die Initiative es schafft, die Stecklinge im ersten Jahr regelmäßig zu gießen, dann können wir die ersten Beeren im Jahr 2018 naschen. Hier ist der Fundort - Leute aus Neukölln und Alt-Treptow können ja immer mal ein Auge drauf werfen und im Sommer gern mal mit der Gießkanne vorbei schauen.

Während der zweistündigen Pflanzung blieb etwa ein Dutzend Leute stehen und fragte uns, was wir dort tun. Einige sprangen weltvergessen über den Zaun und halfen sogar spontan ein paar Minuten mit. So ein offenherziges Interesse ist mir persönlich in dieser Stadt sehr selten passiert. Es mag an den ersten herzerwärmenden Sonnenstrahlen gelegen haben, aber viel wahrscheinlicher ist wohl die Begeisterung für die neuen Berliner Bären - äh - Beeren und die Wertschätzung für aktives Tun im gemeinschaftlichen Umfeld. 

Pflanzet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe!

Leute bleiben stehen
© mundraub